Als Friedrich von Hardenberg zu Ostern 1798 seine Fragmentensammlung „Blütenstaub“ im „Athenaeum" veröffentlichte, stellte er sich unter dem Pseudonym „Novalis“, der Neuland Bestellende vor:

„Fragmente dieser Art sind literarische Sämereien.
Es mag freilich manches taube Körnchen darunter sein:

indessen, wenn nur einiges aufgeht!“
 

Fragmente waren Novalis stets wichtiger als fertige Kunstprodukte, das Werden interes- sierte ihn mehr als das Sein.

Die einzige größere Dichtung, die zu seinen Lebzeiten veröffentlicht wurde, waren die „Hymnen an die Nacht“, die 1800 im sechsten und letzten Heft des „Athenaeums“, der von den Brüdern Schlegel herausgegebenen Programmzeitschrift der Frühromantik, er- schienen.

In den „Hymnen“ gestaltete Novalis die Vision der Vereinigung mit der toten Geliebten, seiner Verlobten Sophie von Kühn, unter dem mütterlichen Zeichen der Nacht.
 

 

Ebenfalls nach dem Tod von Sophie (März 1797) begann Novalis im April 1798 einen unvollendet gebliebenen Roman „Die Lehrlinge zu Sais“, in dem er seine Ideen über die Wiedergewinnung der Einheit von Mensch und Natur darstellen wollte.

Der gleichen Absicht diente das „Allgemeine Brouillon“, eine Sammlung fragmentarischer Gedankensplitter, die Analogien und geheime Ent- sprechungen zwischen Wissenschaften und Künsten umkreisen. Es waren Versuche, jenseits aller Spezialisierungen auf die Notwendigkeit der Gewinnung von Totalität hinzuweisen.

 

Im Vergleich zu diesen anspruchsvollen Kombinationen und Definitionen wirken die gleichzeitig entstandenen „Geistlichen Lieder“ (1799-1800) schlicht und unmittelbar zu Herzen gehend. Einige davon fanden den Weg in die Evangelischen Gesangsbücher und in breite Volksschichten.

Mitte November  1799 las Hardenberg den in Jena versammelten Romantikerfreunden seinen Aufsatz „Die Christenheit oder Europa“ vor, dessen Verherrlichung der vorreforma- torischen Glaubenseinheit auf eine Erneuerung des oft beschworenen goldenen Zeitalters gerichtet war.

 

Ebenfalls in die harmonische Regionen eines goldenen Zeitalters wollte Novalis den Titelhelden des Romans „Heinrich von Ofterdingen“ geleiten, der als Gegenentwurf zu Goethes Roman „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ gedacht war. Heinrichs Suche nach der „blauen Blume“ blieb von nun an das Symbol aller Romantiker.

Der Roman „Heinrich von Ofterdingen“ ist wie die meisten anderen Dichtungen Novalis’ erst nach seinem Tod in der von seinen Freunden Friedrich Schlegel und Ludwig Tieck editierten Ausgabe der „Schriften“, 1802 erschienen.

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